ücher in München
Traktat vom Feldmessen
Da hat wohl einer aufgeräumt in der bayrisch herzoglichen Bibliothek! Die Bücherauktion bei Zisska & Schauer bringt bibliographische Kuriositäten ans Licht. Ein Blick auf das Angebot.
Von Brita Sachs, München
03. Mai 2011
Allmählich ist man es gewöhnt, in den Buchauktionen von Zisska & Schauer auf Bände zu stoßen, die zu den Herzögen in Bayern führen, und braucht nur etwas Fleiß, um über das Angebot verteilte Widmungen und Besitzvermerke zu entdecken. Denn auch diesmal unterblieb diskret jeglicher Hinweis auf die prominente Quelle, die vor Jahresfrist Mengen wunderschöner, in goldgeprägtes Leder gebundener Bücher freigab.
Wie berichtet, kaufte ein findiger Händler diese Einzellose, um sie wiedervereint beim Münchner Auktionshaus Hampel als „Bibliothek aus süddeutschem Adelsbesitz“ gewinnbringend loszuschlagen. Im Herbst 2010 spickten erneut Bücher mit Wittelsbacher Duftmarke Zisskas Offerte – und auch in der kommenden Auktion vom 4. bis zum 6. Mai warten Bücher auf neue Regale, die einst Maria Josepha von Portugal, der Gemahlin Herzog Karl Theodors in Bayern, gehörten oder Herzog Maximilian oder anderen Verwandten.Aber der sich hier von Büchern trennt, dürfte doch einiges im Schrank zurückbehalten: Das Militaria-Kapitel bestreitet die Einlieferung mehr oder weniger allein, ihre juristischen und theologischen Abhandlungen bestechen eher mit äußeren als inneren Werten, und im Übrigen geht es mal um die Seidenzucht in Bayern oder gar die Heilung „aller Blähungsbeschwerden“. Hat hier vielleicht einfach mal jemand aufgeräumt?
Es ist zu vermuten, dass die Bücher aus Tegernsee stammen. Dort lebt die herzogliche Linie der Wittelsbacher, die das Benediktinerkloster Tegernsee 1817 nach der Säkularisierung erwarb und zum Landschloss umgestaltete. Und von dort kam vor wenigen Wochen eine kuriose Meldung: Eine stets verschlossene Tür wurde geöffnet, sie führte in den abgemauerten Chorraum hinter dem Hochaltar der Klosterkirche. Aus zehn Metern Höhe blicken von Asam gemalte Schutzengel auf mehr als 11.000 Bücher hinab. Nun war das selbstverständlich kein „vergessener Raum“, sondern die Bibliothek der Herzöge, die der Öffentlichkeit bislang unbekannt, weil nicht zugänglich war.
Von einer Pilgerfahrt nach „Jherusalem“
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Eine andere Einlieferung versorgt das Angebot mit kapitalen Werken: Weil die gedruckte Kleinstauflage von Paul Pfinzings „Feldrechnung“ schnell vergriffen war, erfolgte die Verbreitung seines begehrten Feldmessungtraktats durch Abschriften wie jenem, um 1598 in Nürnberg handgeschriebenen und illustrierten Band, der für 150.000 Euro einen Liebhaber sucht.
Derselbe Eigentümer trennt sich von der französischen Übersetzung von Bernhard von Breidenbachs Pilgerfahrt nach „Jherusalem“, 1517 in Paris gedruckt (Taxe 50.000 Euro). Fürstenkolorit schmückt die Holzschnitte im Missale Salisburgense, das Liechtenstein 1515 in Venedig für die Diözese druckte; zu seiner Taxe von 25.000 Euro trägt der prächtige Renaissance-Einband bei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Zisska & Schauer
Bildmaterial: Zisska & Schauer


